Streuobst trifft Digitalisierung in Kottenheim
Als LEADER-Projekt startete die Kulturinitiative Streuobstwiesen Kottenheim e. V. handfesten Naturschutz: Die wertvollen Bäume rund um das Dorf sind in einer Datenbank erfasst und werden zu frischem, leckerem Saft verarbeitet. So werden Tradition, Sorten- und Artenschutz lokal verbunden. Es profitieren auch die Menschen in der Umgebung. Dafür erhielt der Verein den EIFEL Award 2025.
Streuobstwiesen sind ein uraltes Kulturgut der Eifel und zugleich wertvolle Habitate für viele Tierarten. Doch immer weniger werden sie gepflegt und genutzt, so dass sie entweder abgeholzt werden und moderner Landwirtschaft weichen müssen oder verbuschen. Manche werden auch zu Neubaugebieten. Andreas Hesse und einige Mitstreiter jedoch erkannten das Potenzial der rund 2500 Obstbäume auf den Wiesen rund um seinen Heimatort Kottenheim und gründeten 2017 eine Natur- und Kulturinitiative in Vereinsform, die mit ihren mittlerweile 560 Mitgliedern für die 2600-Einwohner-Gemeinde ein außerordentlicher Erfolg ist. „Es war natürlich ein aufwändiges Abenteuer, LEADER-Förderung zu beantragen“, blickt Hesse zurück, „aber es hat sich gelohnt. Denn die damit verbundene Transparenz auch in Richtung von privaten Geldgebern kommt der Idee zugute, auf den Wert der historischen Streuobstwiesen gerade in unserer Zeit aufmerksam zu machen.“ Es gehe dem Verein an keiner Stelle um Profit, sondern um Erhalt des kulturellen Erbes, Naturschutz, Umweltbildung und Bewusstsein für ein regionales Produkt.
Kartieren, pflegen, pflanzen und ernten
Es handelt sich beim Bestand rund um Kottenheim überwiegend um Apfelbäume, aber auch Birnbäume, Pflaumenbäume oder Mirabellen gibt es. Teils sind es alte, robuste Sorten, die besondere Nutzungen erfordern. „Wir haben bereits 650 neue Bäume gepflanzt und rund 1000 etwa mit professionellem Baumschnitt oder Befreiung von Misteln gepflegt“, schildert Hesse Outdoor-Aktivitäten, die auch zum Vereinsleben gehören. Abgestorbene Bäume dürfen als Habitat für Insekten und Vögel stehenbleiben. Die Ernte gehört ebenso dazu wie die Anlieferung an eine Obstpresse im nahen Koblenz-Güls, wo in guten Erntejahren rund 8000 Flaschen „Kotteme Appelsaft“ abgefüllt werden, die wiederum an die Vereinsmitglieder oder andere Kottenheimer verkauft werden. Es ist ein geschlossener lokaler Wertschöpfungskreislauf entstanden.
Ideeller und handfester Mehrwert für Naturliebhaber
Was zählt, ist nicht nur die lokale Verarbeitung von regionalem Obst. Der ideelle Mehrwert der Saftproduktion und des Saftkonsums ist hoch, da Streuobstwiesen rund um Kottenheim seit über 100 Jahren ein kulturelles Erbe des Ortes sind. Der Verein spricht gerne von einem "Stück von Kottem“. Man identifiziert sich durch das ehrenamtliche Engagement sehr mit der Heimatregion. Es ist gelebter Zusammenhalt: „In gemeinsamen Ernteaktionen mit Vereinsmitgliedern, aber auch mit Schulklassen, werden die Äpfel geerntet. Die Ernte erfolgt durch ein Schütteln der fruchttragenden Äste und ein Aufsammeln der Äpfel. Es werden bei dieser Form des Obstanbaus keine Erntemaschinen eingesetzt, nur manuelle Werkzeuge“, schildert Hesse das anpackende Projekt, das den EIFEL Award für regionale Wertschöpfung in besonderer Weise verdient.












