Im Einklang mit der Natur: In ihrer Waldhütte finden die beiden Weltenbummler heute Ruhe und innere Zufriedenheit., © Nathalie Schaus

Bis ans Ende der Welt - und zurück in die Eifel

In jungen Jahren wurde es Nathalie Schaus und Kim Champart zu eintönig in ihrem Eifeler Heimatdorf. Das junge Paar packte die Koffer, reiste durch die ganze Welt, lebte an unterschiedlichsten Orten. Nach einigen Jahren fanden die beiden dann endlich ihren Sehnsuchtsort: das alte Heimatdorf in der Eifel. Hier übernahmen sie entgegen aller vorheriger Absichten die traditionsreiche Familienbäckerei.

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Wenn Nathalie Schaus eines in ihrem Leben schon sehr früh wusste, dann dies: Unter keinen Umständen in die Fußstapfen der Eltern treten und von früh bis spät in der heimischen Familienbäckerei in Recht malochen. Statt der Backstube übernahm sie einen lukrativen Job in einer internationalen Luxemburger Unternehmensberatung, ihr Lebensgefährte Kim Champart arbeitete als Heizungsinstallateur. Für die Mittzwanziger schien das Leben vorgezeichnet. „Doch dann fragte ich mich: Soll es das gewesen sein?“, erinnert sich Nathalie Schaus. Bei ihrem Arbeitgeber betreute sie Firmen in der ganzen Welt. Von heute auf morgen entstand eine tiefe Sehnsucht, die Heimat für eine Zeit zu verlassen und all die Länder einmal persönlich kennenzulernen. Damit überrollte sie ihren Freund zunächst, dieser ließ sich dann jedoch von ihrem Fernweh anstecken. Sie beantragten ein Working-Holiday-Visum – und schon bald gings los.

Auf die andere Seite des Globus

Nach einem Zwischenstopp in Hong Kong gings für 12 Monate zum Leben und Jobben nach Australien – „soweit von Zuhause weg wie möglich“, so die beiden. Als sie nach dieser Zeit wieder heimkehrten und in ihren alten Jobs Fuß fassten, war das ein „Realitäts-Schock“, wie sie es nennen: Ein streng getaktetes Leben, starre Strukturen, lange Arbeitsfahrten nach Luxemburg. Drei Jahre hielten sie es durch – dann kam die nächste Flucht aus diesem Alltagsleben, welches nicht mehr zur eigenen Lebensphilosophie passte. Diesmal sollte es für immer sein – eine Weltreise nach Indien, Nepal, Südostasien, Neuseeland mit Endstation Sydney in Australien. Hier schienen sie angekommen im neuen Leben, hatten Top-Jobs als IT-Beraterin und Vorarbeiter. Sie verdienten gutes Geld, führten ein Leben auf hohem Niveau – mit Wochenend-Tripps auf edlen Yachten oder Dienstflügen mit dem Firmen-Helikopter. Doch nach zwei Jahren war der Zauber verflogen, sie wurden sich der Seifenblase bewusst in der sie lebten, erkannten die Umweltzerstörungen. „Wir fragten uns, wie lange dieser Raubbau an unserer Erde gut gehen kann. Und wo auf der Welt würden wir leben wollen, wenn diese Blase einmal platzt?“, so Kim Champart.

Sinnfragen und Sinnkrisen

In dieser Phase, in der Nathalie Schaus zunehmend eine innere Leere verspürte und sie sich beide eine Auszeit in Bali gönnten, reiste unerwartet ihr Vater an – mit einem Angebot, welches für die beiden Eifel-Emigranten zunächst völlig undenkbar war: Sie sollten gemeinsam mit ihm die traditionsreiche Backstube in Recht übernehmen. Dennoch flogen die beiden unabhängig voneinander in die alte Heimat, um vorsichtig die fast vergessene Eifelluft zu schnuppern. Nach einiger Beratschlagung formulierten sie die Bedingungen für eine Rückkehr und die Übernahme: 4-Tage-Öffnung, traditionelle Zubereitung, nachhaltige Produkte – ein Leben in Work-Life-Balance. So oder gar nicht. Der Vater stimmte dem Deal zu.

Neue Liebe zur Eifel

Heute sind sie froh, diese Lebensentscheidung getroffen zu haben. Sie haben sich neu in ihre alte Heimat verliebt, aus der sie zehn Jahre zuvor geflüchtet waren. Sie genießen ihre vielen Freiheiten – dazu zählt nicht nur die 4-Öffnungstage-Woche, sondern auch die jährliche vier wöchige Auszeit. In diesen Wochen holen die beiden dann das nach, was sie in der Eifel vermissen – mal Sonne und Meer, mal Ruhe und Ausgeglichenheit im buddhistischen Kloster. Diese Arbeitsbedingungen begeistern auch die Mitarbeiter – die branchenüblichen Personalprobleme kennt man in der Bäckerei Schaus nicht. Die freien Tage unter der Woche verbringt das Paar in der eigenen Waldhütte – ohne Strom und fließendes Wasser, dafür mit viel Zeit füreinander. Hier verbringen sie ein Leben im völligen Einklang mit der Natur; Sonnenaufgang und Sonnenuntergang bestimmen dann den Tagesrhythmus. Das erdet. Zwischenzeitlich schätzen sie sogar das, was sie in jungen Jahren aus der Eifel vertrieben hat: die Vertrautheit von Land und Leuten. Mit Gleichgesinnten aus der Branche und anderer Manufakturen haben sie schnell gute Kontakte knüpfen und gemeinsame Zukunftsprojekte schmieden können. „In der Eifel entsteht gerade eine tolle Bewegung für ein nachhaltiges Bewusstsein – vor allem auch unter jungen Menschen. Corona hat dies nochmal verstärkt“

BRF-Fernsehbeitrag über die besondere Philosophie ihrer Bäckerei

 

Impressionen von der Weltreise und aus der heimischen Backstube

Portrait Schaus-Champart, © Bäckerei Schaus

Wir mussten erst einmal auswandern und Abstand zur Eifel finden. Mit den gewonnenen Erfahrungen unserer Weltreisen konnten wir uns dann nochmal ganz neu und intensiv in diese Region verlieben.

Kim Champart, Nathalie Schaus - zwei Bäcker auf Umwegen

Bäckerei Schaus

Zur Kaiserbaracke 14
B-4780 Recht
Telefon: +32 474 326830

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